Ich konsumiere, also bin ich. Heutzutage ist nicht mehr die Religion das Opium des Volkes, sondern der Konsum. Auch König Fußball behauptet seine Volksherrschaft nur, weil er exakt nach den Regeln des Konsums funktioniert. Wäre doch eine schöne Abwechslung, wenn das virtuelle Zweitleben anderen Gesetzlichkeiten folgen würde. Aber weit gefehlt. Während ich mich im ersten, dem realen Leben, als durchaus kritische Verbraucherin verstehe, sind in meinem Zweitleben mittlerweile sämtliche Dämme gebrochen.
Unmittelbar nach meiner Second Life-Geburt übte ich mich noch in vorsichtiger Konsum-Zurückhaltung. Ich wollte Linden Lab nicht so einfach Zugang zu meinen Kreditkarten-Daten geben und dachte zunächst, die Freebie-Jagd macht Spaß und das Geld ausgeben überflüssig. Aber mein Widerstand wurde schwächer – je länger ich mich in Second Life aufhielt und je öfter ich Avataren begegnete, die kleinen Design-Kunstwerken glichen. Da würde mein Avi allein mit Freebie-Ware keinen Blumentopf gewinnen. Die virtuelle ist in erster Linie auch eine visuelle Welt. Und ich unterlag diesem visuellen Wettbewerb schnell und hoffnungslos. Ein paar Klicks und das bequeme Kreditkarten-System bescherten mir die ersten 2’000 Linden Dollars auf mein Second Life Konto. Es sollten nicht die letzten sein.
Ich habe einen einfachen Geschmack. Einfach von allem nur das Beste. Deshalb wurde ich schnell zur Stammkundin sehr teurer Schuhgeschäfte (das meiner Meinung nach beste in SL beginnt mit einem M), wechsle gerne mal die Haut (hier schwanke ich zwischen zwei bis drei favorisierten Anbietern) und zwischendurch immer mal wieder neues, besonders natürlich fallendes Haar. Für AOs kann man ein Vermögen ausgeben und mittlerweile habe ich so viel Kleidung in meinem Inventar, dass ich um den Speicherplatz fürchte. Der Konsum ist der Aspekt des alltäglichen Lebens, der im ersten wie im zweiten Leben nach fast exakt den gleichen Mechanismen verläuft. Man sehnt sich danach, durch die konsumierten Produkte seinen Individualität auszudrücken (was nur bedingt gelingt), kann dabei in die Schuldenfalle tappen (was vielen zu oft gelingt) und am Ende des Akts bleibt meist ein schales, hohles Gefühl zurück.
Bin ich konsumsüchtig in Second Life? Auch ohne einen entsprechenden Therapeuten in meinem Zweitleben aufgesucht zu haben (ist das nicht eine Marktlücke?), kann ich diese Frage mit einem beherzten “Ja!” beantworten. Es läuft also irgendetwas schief in meinem Zweitleben. Aber ich fühle mich wohl damit und bin gespannt darauf, herauszufinden, was es ist, was mich regelmäßig dem Konsumrausch verfallen lässt.
Nach einiger Zeit in SL lässt sich ein wenig Geldausgeben wohl kaum vermeiden – aber es langt dann auch z.B. Traffic Cones zu benutzen, mit denen man SL bereisen kann oder als unter-2-Monaten-Avatar z.B. Money Trees abzugrasen – da kriegt man in in 2 Monaten gut an die 3000-6000 zusammen und hat dann bereits viel von SL mitbekommen und auch einige Leute kennengelernt.
Für schöne Freebies, auch Dollarbies genannt oder diverse Sales muß ab und an 1, 2 oder auch mal 10 Lindendollar ( auch: L$ ; 350-400L$ = 1 Euro ) ausgegeben werden. Dafür gibt’s dann aber auch -normalerweise- mehrere 100L$ teuere Sachen.
Nur als Beispiel: Sehr gute Avatar-Skin gibt es -auch- bereits häufig bei japanischen Machern / Stores ab 200L$, im Schnitt aber eher um die 800 – 1200. Aber mit Glück eben auch mal für free (Blogs wie fabfree lesen hilft sowas zu finden, Gruppen wie lucky chair stalkers helfen beim Finden von Geschenk-Boards (Lucky Chairs oder Lucky Boards) für -sonst- regulärpreisige SL-Outfits, Haare, Schuhe, Skins und vieles andere).
‘Alles für lau’ gilt immer noch in SL, wenn man “nur” den Anspruch hat dort gut auszusehen und mit anderen Spaß zu haben – und es funktioniert auch bei Education und vielem Anderen mehr.
Vielen Dank. Das sind doch sehr gute Tipps, insbesondere für SL-Neueinsteiger.
Am Besten wäre es sowieso mal alle aktiven Adressen von Bloggern zu listen die über sowas recherchieren – früher gab es da mindestens Hunderte die täglich Fundsachen listeten/schrieben – aber heute sind es immer noch genug – nur eben Andere.
In dem man die z.B. hier listen würde täte man schon einen hilfreichen Beitrag leisten – die deutschen Foren wie Avameet oder SLinfo sind da ein wenig zu unübersichtlich, die Leute lesen mittlerweile lieber Blogs zum Thema und diskutieren in deren Kommentaren (meine persönliche Beobachtung) bzw. wird da fundierter zum Thema diskutiert, da hart von vielen Bloggern moderiert.
Nochwas zur Umfrage #2 hier: ich habe da Shapes, Haut und Haare angekreuzt –
ABER: für SHAPES gibt man kein Geld aus – da sollte man heute sich heutzutage sowieso erst einmal freie Standard Shapes besorgen – sonst passt kein Mesh-gefertigtes Kleid – die Standard Shapes gibt es bei diversen Klamotten-Designern umsonst, z.B. bei siss boom, in der Paris… irgendwas-SIM – da sucht man sich von 5 Größen die einem passend erscheinende aus und verändert den Shape dann im Rahmen der Größen dort Gesicht, in Maßen Brust Beine und Hinterteil etc. – und anderes wirklich individuelle der Avatar-Parameter.
SL Mode orientiert sich eben am realen Menschen – in der uns bekannten Realität laufen kaum 2.20m Frankensteinmänner oder -girlies mit Riesen*rschen und Kleiderschrankschultern herum.
Für HAARE muß man erstmal ebenfalls kein Geld ausgeben, bei A&A (Alli und Alli oder so) und vielen anderen Haarherstellern bekommt man rund über SL verteilt freie Warenproben, man kann sich also erstmal in Ruhe durch Farben und Formen wühlen – und dann nach Tagen oder Wochen daß, was man wirklich ‘braucht’ beim nettesten oder besten der gefundenen Stores kaufen.