Englisch ist eine lingua franca. Wie in früheren Jahrhunderten das Vulgär-Latein, ist es ein Hilfsinstrument, um mit Menschen aus anderssprachigen Ländern mehr oder weniger radebrechend zu kommunizieren. Das Englisch muss nicht gut oder gar stilistisch schön sein. Man muss die Sprache nicht einmal mögen, damit sie diese primäre Funktion erfüllt. Warum gerade die englische Sprache seit spätestens dem 19. Jahrhundert diese Aufgabe übernahm, das hat historische Gründe (dazu später und an anderer Stelle mehr).
Bei meinem Einstieg in Second Life war es für mich zunächst selbstverständlich, auf englisch zu starten. Second Life, das klingt nun auch nicht unbedingt sehr deutsch oder französisch und aus den Medien wusste ich, dass es von einem Unternehmen in Kalifornien betrieben wird. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass ich auch einfach auf deutsch kommunizieren könnte. Bei meinen ersten Gesprächen mit anderen Avataren in Second Life ging es um einfache Grundlagen wie “Wie geht es Dir…”, “Wo bekomme ich…”, “Wie finde ich…”, usw. Ich kam also sehr gut zurecht (ok, mein englisch ist ohnehin nicht besonders schlecht). Dann kam mir allerdings der Gedanke, dass hier ja nur Leute mitmachen können, die auch englisch sprechen. Oder doch nicht? Ein paar in der Suchleiste eingegebene Stichwörter wie “deutsch”, “deutschsprachig”, “Deutschland”, “Berlin” etc. brachten Treffer. Und die Kurzbeschreibungen dazu waren nicht auf englisch, sondern deutsch.
Dank des virtuellen Teleports streift mein Avi Agleia nun oft und gerne durch Berlin in SL, durch das Virtuelle Köln oder The Vienna Quarter und besucht den Treffpunkt [Deutschland] [Zollamt], die derzeit mit größten beziehungsweise meist besuchtesten deutschsprachigen Sims in Second Life. Da kommt man dann schnell ins Gespräch – auf deutsch. Und manchmal ist auch die Sprache selbst das Thema. The Bad Wolf , den ich beim deutschen Zollamt getroffen habe, hält sich ausschließlich auf deutschsprachigen Sims auf:
“Ick kann nich so gut uff englisch, wa’. Und fürs Rollenspiel, hey, da is mir dat viel zu kompliziert.” Ein DarkAngel, mit dem ich während des Freebies-Einkaufs im Vienna Quarter ins Gespräch kam, nutzt dagegen die nicht deutschsprachigen Sims, um seine Englisch-Kenntnisse zu verbessern: “Mein Englisch hat sich seither echt verbessert. Ich finde viel schneller die richtigen Wörter und viele sind mittlerweile ganz erstaunt, wenn ich beim Chatten mitteile, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist.” Lorelei99 nutzt Second Life mittlerweile sogar, um neue Sprachen zu lernen. Sie erzählt von der Babel Language School, eine der ersten Adresse, wenn es um das Thema Sprachen lernen in Second Life geht (s. Fotos). “Ich habe dort mit Italienisch angefangen. Das wollte ich schon immer mal lernen. Aber irgendwie war ich nicht so richtig zum Durchhalten animiert. Jetzt habe ich einen polnischen Freund in Second Life und wir bringen uns gegenseitig die Sprache des jeweils anderen bei. Das ist toll und funktioniert super.” Das Prinzip des guten alten Sprachentandems scheint also immer noch den besten Erfolg zu bringen.
Gretchenfrage: Wie haltet ihr es mit der Sprache in Second Life? Seid ihr in erster Linie in deutschsprachigen Communities unterwegs oder sprecht ihr grundsätzlich englisch in Second Life? Oder nutzt ihr Second Life gar zum Erlernen oder Praktizieren einer Fremdsprache? Ihr habt die Möglichkeit zu kommentieren und bei der Umfrage mitzumachen.
Das stimmt, es ist schon echt ganz gut, dass es Second Life auch in deutsch gibt bzw. deutsche User. Aber ich weiß was du meinst. Ich habe dadurch auch mein Englisch verbessern können. Manchmal muss man sich eben der Herausforderung stellen.
Habe vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde die deutsche Version und die deutsche User-Community auf jeden Fall auch eine Bereicherung. Gleichzeitig die Begegnung mit englischsprachigen Usern in Second Life als persönliche Herausforderung zu sehen (sofern die Sprachkenntnisse dafür vorhanden sind) ist meiner Meinung nach eine richtige Einstellung. Habe mich im Übrigen auf Deiner Seite “virtuelle welten” umgesehen. Sehr informationsreich und gut gestaltet – Kompliment.
Wie in internationalen Foren benutzt man in SL Englisch um sich zum beispiel mit einem Franzosen oder Japaner zu unterhalten. Einer der großen Vorteile von Englisch – und das man die Leute dort trifft und mit denen Spaß haben kann ist ein Vorteil von SL – z.B. ‘Face-buck’ ist in der ‘Meeting Point – Disziplin’ doch ‘gähn’, mehr was für eier-phone und -tablets Fuzzis – eben den Gerätschaften, mit denen man noch nicht in SL unterwegs sein kann – ich sehe da also einen kommenden SL-Aufschwung (auch hinsichtlich ‘Jungbrunnen’ von NeuUsern) erst ab 2013-2014 wenn man SL endlich auch während einer Busfahrt zur Schule browsen kann…