Bezahlen per Funk

An den Supermarkt-Kassen wird es in Zukunft spannend: Der Einkauf soll bald per Funk bezahlt werden. Auf der Theke stehen Lesegeräte und die Kunden sollen drahtlos per Karte bezahlen. Die Technik heisst Near Field Communication, kurz NFC (auf deutsch Nahfeld-Kommunikation). Dabei werden die Daten per Funk übertragen, allerdings nur über eine sehr kurze Entfernung. Praktisch bedeutet es, der Kunde hat in seiner Geldkarte einen Chip, der Händler das entsprechende Lesegerät dazu. Um Geld zu überweisen, muss die Karte ganz nah an den Empfänger gehalten werden, der fällige Betrag wird dann automatisch abgebucht. Der Chip selbst ist passiv. Das heisst, er sendet selbst keine Daten, sondern wird lediglich gelesen.

Die Technik muss sich im Alltag aber erst einmal bewähren. Die Kreditwirtschaft testet zur Zeit das Verfahren in gross angelegten Feldversuchen. Im Grossraum Hannover, Braunschweig und Wolfsburg wurden rund 1,3 Millionen Kunden mit NFC-fähigen Geldkarten ausgestattet. Sie können nun in bestimmten Läden und bei bestimmten Tankstellen per Funk bezahlen. Das Projekt soll bald ausgeweitet werden: Die Sparkassen sollen z. B. bis Ende 2012 rund 16 Millionen solcher Funkkarten ausgeben.

Der NFC-Chip kann auch in das Handy eingebaut werden. Kunden können dann nicht nur per Funk bezahlen, sondern Treuepunkte sammeln, Tickets kaufen, Gutscheine einlösen usw., indem sie die Karte in die Nähe eines solchen Lesegeräts halten. Vereinzelt ist das bisher zum Beispiel beim Fahrkartenkauf der Deutschen Bahn möglich.

Die Vorteile des Bezahlens liegen laut deutscher Kreditwirtschaft in der Zeit: Nur noch halb so lang soll das Bezahlen per Funk dauern. Entsprechend sind auch die Gebühren niedriger. Also in Zukunft viel kürzere Schlangen an der Supermarkt-Kasse? Keine Kunden mehr, die in der Börse nach Kleingeld kramen? Die Datenschützer stehen der NFC-Technik eher skeptisch gegenüber. Da jede Chipkarte einer eindeutigen Nummer zugeordnet werden kann und diese wiederum von allen Lesegeräten erkannt wird, können Bewegungsprofile der Nutzer entstehen. Auch IT-Experten haben Einwände. Sie fürchten um die Sicherheit, weil beispielsweise Kleinbeträge ohne die Eingabe einer Geheimzahl übermittelt werden. Das Auslesen der Karte, ohne dass es der Besitzer merkt, etwa durch versteckte Lesegeräte, scheint möglich. Allerdings können die Karten nur aus sehr kurzer Entfernung gelesen werden. Die maximale Reichweite soll bei zehn Zentimetern liegen.

Grössere Gefahren lauern beim Bezahlen per Handy. Um Geld überweisen zu können, benötigt der Kunde in der Regel ein App, als ein kleines Programm, das er aus dem Internet herunterlädt. Diese App stellt dann eine Verbindung zwischen dem Funkchip im Handy und dem Bankkonto her und bucht den Betrag dort ab. Das bietet viel Angriffsfläche. Denn Smartphones sind deutlich schlechter geschützt, für Hacker die technischen Abläufe viel leichter manipulierbar. Täter und Opfer müssen sich nicht wie bei der Funkkarte am gleichen Ort befinden. Schon beim Herunterladen einer App kann beispielsweise unbemerkt ein Schadprogramm installiert werden, das sensible Daten ausspioniert und etwa Überweisungen auf andere Konten umleitet.

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