Vor ein paar Jahren noch war Facebook das coole Kid in der Unternehmenswelt. Die Vernetzungsmaschine kämpft aber auf dem Weg zum Erwachsensein mit pubertären Schwierigkeiten. Das zeigt der Börsengang. Mit dem Vorwurf, eine Datenkrake zu sein, kam man irgendwie noch klar. Der am 18. Geburtstag vollzogene Sprung an die Börse und damit in die erwachsene Berufskarriere vermasselte der Monopolist aber gehörig: Der Aktienkurs stürzte bereits am ersten Tag ab und hat sich seitdem nicht erholt.
Zwei Monate nach dem Börsengang versucht Facebook immer noch mit den Forderungen der Erwachsenenwelt zurecht zu kommen: Die Aktionäre wollen schnellst möglich möglichst viel Geld verdienen. Dieser Forderung versucht Facebook nachzukommen, in dem es nun seinem Ruf als Datenkrake wieder allzu gerecht wird. Vorbei sind die spielerischen Zeiten der Zweit- und Drittidentitäten. Facebook geriert sich wie ein Melderegister: “Wir sind ein seriöses Netzwerk, da könnt ihr besten Gewissens mit eurem richtigen Namen erscheinen.” Dahinter steckt nichts anderes als die ökonomische Tatsache, dass sich nur mit Klarnamen und der Zuweisung von echten Namen zu wirklich existierenden Personen richtig viel Kohle machen lässt.
Offenbar soll auch die Verbrechensbekämpfung zu einem Standbein von Facebook werden: Der oberste Sicherheitschef von Facebook, Joe Sullivan, verkündete nun stolz, dass Facebook helfe, Verbrecher zu jagen und dingfest zu machen. Ein Programm untersucht private Gespräche nach Schlüsselbegriffen. Als Referenz dienen alte Chat-Protokolle. “Proaktiv” gehe man auf die Ermittlungsbehörden zu, so das Unternehmen. Es ist ein riskanter Kuhhandel mit dem Staat. Facebook hilft dem Staat bei der Bekämpfung von Breiviks, Faschos und Sexmonstern. Dafür muss der Staat doch bitte auch etwas für Facebook tun. Und zwar: Keine neuen Restriktionen beim Thema Datenschutz. Die Privatsphäre der Nutzer und die Gefahr der Totalüberwachung? Geschenkt!

Facebook war / ist eine Besonderheit der Unternehmensbewertung. Aufgrund des immensen Wachstums und der Innovationskraft sind „alte“ Methoden der Unternehmensbewertung nicht anwendbar. Sicherlich muss man die Bewertung auch realistisch betrachten. Ein ewig progressives Wachstum gibt es nicht! Das Ziel eines IPOs, möglichst viel Geld einzunehmen, wurde eindrucksvoll erreicht. Nach und nach spiegelt der Aktienkurs jetzt den wirklichen Unternehmenswert /-preis wider!
Vielen Dank für den Kommentar. Der Hinweis auf die Grenzen des Wachstums ist sicher richtig. Ich bin insgesamt aber der Auffassung, dass Aktienkurse nicht einfach den “realen” Wert von Unternehmen widerspiegeln, sondern sich dahinter eine Art Gesamtperformance verbirgt, die auf der Performance-Bühne “Aktienmarkt” gegeben wird. Nicht umsonst sprechen “Börsenexperten” in diesem Zusammenhang immer davon eine “gute Vorstellung abzuliefern” oder davon, dass die “Börsenpsyche” durch bestimmte Nachrichten “beruhigt” oder “nervös” gemacht wird.