Second Life revisited

Die virtuelle Welt Second Life entwickelt sich permanent weiter und damit auch die unterschiedlichen Nutzungsweisen der Userinnen und User. Für viele gehen diese Entwicklungen aber nicht weit genug beziehungsweise sie empfinden diese nicht mehr als innovativ. Viele kehren Second Life deshalb nach einer gewissen Zeit den Rücken oder sind für längere Zeitspannen dort nicht mehr präsent.

Es ist deshalb immer wieder interessant, die vornehmlichen Anwendungszwecke der Second Life Residents zu erfahren.

Die Top Five-Gründe, bei Second Life zu sein:

1. Neue interessante Menschen treffen und mit ihnen Communities aufbauen:
In Second Life sind Menschen aus mehr als 200
Ländern unterwegs. Sich mit diesen zu treffen, miteinander zu kommunizieren und zusammen etwas zu unternehmen bleibt der wichtigste Grund für viele, sich dort zu bewegen und an den vielfältigen Communities dort zu partizipieren.
2. Erlebniswelten aufbauen:
Die freie Gestaltung der Inhalte durch die Anwender selbst ermöglicht spannende Erlebniswelten.Second_Life

3. Gegenstände schaffen
Mit der Linden Script Language kann man neben den anderen Werkzeugen viele fantasievolle Gegenstände erschaffen wie beispielsweise Fahrzeuge, mit denen man sowohl zu Wasser, zu Lande und in der Luft unterwegs sein kann.
4. Geld verdienen
In Second Life kann man virtuelles Land kaufen, mieten, verkaufen und
bebauen. Daneben kann man virtuelle Produkte herstellen und verkaufen.
Viele Programmierer, Künstler und andere  investieren Zeit und Ideen, um
in Second Life virtuelle Waren und Dienstleistungen zu verkaufen und damit auch
echtes Geld zu verdienen.
5. Spielen
Zahlreiche Communities bilden sich um einen Plot, auf dessen Grundlage sie nach selbst erstellen Regeln agieren und der ihnen unteschiedlichste Rollenspiele ermöglicht.

Was macht für euch Second Life attraktiv? Was sind aber auch die Gründe, dass ihr Second Life zeitweise oder auf Dauer verlassen habt? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Machen Online-Spiele hirntot – oder die Frage “Muss ich meiner Ex-Frau in Second Life Unterhalt bezahlen?”

Die Trennung zwischen realem Leben und virtuellem Zweitleben ist mittlerweile nicht mehr so einfach. Die einen geben in ihren Avatar-Profilen in Second Life an, dass sie reales und virtuelles Leben strikt trennen. Ein beliebter Spruch in den Profilen vieler Avatare lautet: “SL is SL and RL is RL.” Oft halten sie sich aber nicht wirklich daran, da sie in Gesprächen und Interaktionen doch viele Dinge preisgeben – bewusst oder unbewusst – durch die man Rückschlüsse auch auf ihr reales Leben ziehen kann. Anderen ist klar, dass die Avatare von Menschen gesteuert werden und deshalb zunehmend eine Auflösung der Grenzen zwischen realem Leben und Second-Life-Charakteren stattfindet. Während die einen davon sprechen, Second Life zu spielen, weisen andere das weit von sich. Für sie ist Second Life kein Spiel, sondern eine phantasiereichere 3D-Fortführung von virtuellen sozialen Netzwerken und Kommunikationsplattformen wie Facebook, Twitter, Xing etc.

Wie schnell und kurios sich reales und virtuelles Zweitleben vermengen und SL-Probleme zu RL-Problemen und umgekehrt werden, zeigt eine verzweifelt klingende Frage eines Second-Life-Nutzers in der Ratgeber-Community gutefrage.net: “Ich spiele gerne Second Life und habe mir einen tollen Avatar gebaut und nun will meine Ex in Second Life ganz viele Linden-Dollars von mir haben. Kann ich das Ignorieren oder muss ich damit rechnen, das mein Account gesperrt wird, weil ich keinen Unterhalt bezahlen will? Ich habe bisher schon 100 € an meine SL-Ex überwiesen. Die gibt aber keine Ruhe. Was kann ich nur machen? Oder kennt jemand einen guten Anwalt in Second Life? Danke für eine Antwort.”

Die Antworten auf die Frage des Nutzers fielen sehr unterschiedlich aus: “Online-Games machen hirntot”, war die erste charmante Antwort. Andere wussten nicht so genau, ob sie mit dieser Frage hinters Licht geführt werden sollten. “Das ist ein Scherz oder? Da hat dich deine “Ex” wohl ganz schön verarscht. Warum solltest du in einem Spiel Unterhalt zahlen müssen? Nein, garantiert nicht”, war die Antwort eines Nutzers. Andere (Männer) solidarisierten sich mit dem empörten Fragesteller und gaben weise Ratschläge wie “Alter, zahl der keinen Cent! Brief an den Support über die Situation und IHR Account wird gesperrt. Das ist Erpressung und Abzocke! Lass dich nicht verarschen, Junge!”

Ich bin dafür, das Bürgerliche Gesetzbuch den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen und Fragen zu Unterhalt und Sorgerecht für SL-Kinder und SL-Haustiere etc. in Form von Düsseldorfer Tabellen etc. klar zu regeln. Noch besser ist es, vor dem Schritt vor den Traualtar alles in einem SL-Ehevertrag zu regeln. Anwaltlicher Beistand in solchen Fragen ist natürlich unerlässlich. Also, meine Damen und Herren Juristen, auf ins Second Life und eine schicke Anwaltskanzlei eröffnet.

Altes Gemüse und junge Säcke – Zur Altersstruktur in Second Life

Alter, Aussehen, Herkunft – alle diese Faktoren spielen im virtuellen Zweitleben keine Rolle. In Second Life etwa kann doch jeder/jede sein, wer und was er/sie will. Männer spielen Frauen, Frauen spielen Junge oder Alte – alles scheint möglich. Gerade das macht die Faszination der virtuellen Zweitexistenzen aus. So die digitale Theorie. Aber weit gefehlt. “Wie alt bist Du?”, “Woher kommst Du?”, “Was machst Du?” Das sind mit die am häufigsten gestellten Fragen in Second Life. Gerade wenn man sich noch nicht gut und lange kennt. Auch im digitalen Zweitleben scheinen uns soziale Zuordnungen nicht unwichtig – ob sie auf nachprüfbaren Wahrheiten beruhen oder nicht.

Tatsächlich gibt es nur wenige Angaben dazu, wie es sich zum Beispiel mit der Alters- und Geschlechterstruktur der Second-Life-Nutzer verhält. Sind dort überwiegend junge User online? Oder überwiegt das mittlere Alterssegment? Sind die Älteren auf dem Vormarsch? Für das Jahr 2007 machte die Betreiberfirma Linden Lab selbst folgende Angaben: Von den damals rund 11 Millionen Second-Life-Bewohnern aus über 100 Ländern seien 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Die Altersstruktur reiche von 18 bis 85 Jahre.

Solche Aussagen sind aber aufgrund der wenig zuverlässigen Identifizierungsmechanismen mit Vorsicht zu geniessen. Es erscheint zum Beispiel seltsam, dass Linden Lab das Einstiegsalter bei 18 Jahren festsetzt. Volljährigkeit ist keine Voraussetzung für die Nutzung von Second Life. Es gibt zwar eine Altersverifikation. Diese ist allerdings nur notwendig, wenn der Nutzer bestimmte Sims besuchen will (häufig Orte mit expliziten Sex- und/oder Gewalthandlungen, aber auch Sims, deren Besitzer sich nicht mit Teenager-Gehabe herumärgern wollen). Eine Altersverifikation ist auch fällig, wenn man beispielsweise Zahlungen per Kreditkarte tätigen möchte. Ansonsten bleiben aber für das Unternehmen Linden Lab alle Angaben zu Alter, Geschlecht etc. schwer überprüfbar.

Ich selbst würde allerdings vermuten, dass eine zunehmende Verschiebung hin zu Personen im mittleren Alter stattfindet. Solche Entwicklungen sind typisch für die allmähliche Akzeptanz einer neuen Technologie. Ähnlich wie dies beim Internet selbst oder bei technischen Entwicklungen wie Mobiltelefonen, Emails oder SMS geschehen ist.

Wie schätzt ihr die Altersstruktur in Second Life ein? Sind die Nutzer eurer Erfahrung nach eher jung oder älter? Und wie alt seid ihr selbst? Oder spielt das Alter tatsächlich überhaupt keine Rolle? In der Kommentarfunktion könnt ihr eure Ansicht dazu kund tun. Vielleicht können wir ja auch dazu beitragen, herauszufinden, welche Altersgruppen vornehmlich in Second Life unterwegs sind. Macht deshalb mit bei der unten stehenden Umfrage.

Deutsch oder englisch in Second Life?

Englisch ist eine lingua franca. Wie in früheren Jahrhunderten das Vulgär-Latein, ist es ein Hilfsinstrument, um mit Menschen aus anderssprachigen Ländern mehr oder weniger radebrechend zu kommunizieren. Das Englisch muss nicht gut oder gar stilistisch schön sein. Man muss die Sprache nicht einmal mögen, damit sie diese primäre Funktion erfüllt. Warum gerade die englische Sprache seit spätestens dem 19. Jahrhundert diese Aufgabe übernahm, das hat historische Gründe (dazu später und an anderer Stelle mehr).

Bei meinem Einstieg in Second Life war es für mich zunächst selbstverständlich, auf englisch zu starten. Second Life, das klingt nun auch nicht unbedingt sehr deutsch oder französisch und aus den Medien wusste ich, dass es von einem Unternehmen in Kalifornien betrieben wird. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass ich auch einfach auf deutsch kommunizieren könnte. Bei meinen ersten Gesprächen mit anderen Avataren in Second Life ging es um einfache Grundlagen wie “Wie geht es Dir…”, “Wo bekomme ich…”, “Wie finde ich…”, usw. Ich kam also sehr gut zurecht (ok, mein englisch ist ohnehin nicht besonders schlecht). Dann kam mir allerdings der Gedanke, dass hier ja nur Leute mitmachen können, die auch englisch sprechen. Oder doch nicht? Ein paar in der Suchleiste eingegebene Stichwörter wie “deutsch”, “deutschsprachig”, “Deutschland”, “Berlin” etc. brachten Treffer. Und die Kurzbeschreibungen dazu waren nicht auf englisch, sondern deutsch.

Dank des virtuellen Teleports streift mein Avi Agleia nun oft und gerne durch Berlin in SL, durch das Virtuelle Köln oder The Vienna Quarter und besucht den Treffpunkt [Deutschland] [Zollamt]die derzeit mit größten beziehungsweise meist besuchtesten deutschsprachigen Sims in Second Life. Da kommt man dann schnell ins Gespräch – auf deutsch. Und manchmal ist auch die Sprache selbst das Thema. The Bad Wolf , den ich beim deutschen Zollamt getroffen habe, hält sich ausschließlich auf deutschsprachigen Sims auf: “Ick kann nich so gut uff englisch, wa’. Und fürs Rollenspiel, hey, da is mir dat viel zu kompliziert.” Ein DarkAngel, mit dem ich während des Freebies-Einkaufs im Vienna Quarter ins Gespräch kam, nutzt dagegen die nicht deutschsprachigen Sims, um seine Englisch-Kenntnisse zu verbessern: “Mein Englisch hat sich seither echt verbessert. Ich finde viel schneller die richtigen Wörter und viele sind mittlerweile ganz erstaunt, wenn ich beim Chatten mitteile, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist.” Lorelei99 nutzt Second Life mittlerweile sogar, um neue Sprachen zu lernen. Sie erzählt von der Babel Language School, eine der ersten Adresse, wenn es um das Thema Sprachen lernen in Second Life geht (s. Fotos). “Ich habe dort mit Italienisch angefangen. Das wollte ich schon immer mal lernen. Aber irgendwie war ich nicht so richtig zum Durchhalten animiert. Jetzt habe ich einen polnischen Freund in Second Life und wir bringen uns gegenseitig die Sprache des jeweils anderen bei. Das ist toll und funktioniert super.” Das Prinzip des guten alten Sprachentandems scheint also immer noch den besten Erfolg zu bringen.

Gretchenfrage: Wie haltet ihr es mit der Sprache in Second Life? Seid ihr in erster Linie in deutschsprachigen Communities unterwegs oder sprecht ihr grundsätzlich englisch in Second Life? Oder nutzt ihr Second Life gar zum Erlernen oder Praktizieren einer Fremdsprache? Ihr habt die Möglichkeit zu kommentieren und bei der Umfrage mitzumachen.