Zur Edeldisziplin des postmodernen Menschen gehört es, auf den Bürgersteigen der Grossstäde dieser Welt mit dem Smartphone in der Hand zu navigieren, ohne dabei von diesem Display-Fensterchen zur Welt auch nur einmal aufzublicken. Smartphones sind mittlerweile omnipräsent. Immer neue Apps sollen uns helfen, das Multitasking zu perfektionieren: Banktransaktionen tätigen, das im Internet entdeckte Kleid in einem Geschäft anprobieren, an der Kasse bezahlen und während alledem mit dem Handy am Ohr nie die Konversation unterbrechen.
Finden wir keinen Parkplatz, werden wir über ein App blitzschnell darüber informiert, wo die nächste Parklücke zu finden ist. Verlaufen im Grossstad-Dschungel? Passanten um eine kurze Auskunft bitten und dabei in einen kurzen Plausch geraten? Fehlanzeige. Die Antwort auf jede Frage ist nur ein paar Smartphone-Sekunden entfernt. Alles, was nicht dem Informationsaustausch dient, scheint Zeitverschwendung. Wir kommunizieren so viel wie nie zuvor. Aber haben wir uns auch etwas zu sagen? “Ich teile mit, also bin ich”, nennt Sherry Turkle in ihrem Buch “Alone Together” dieses Phänomen. Sie konstatiert die Aushöhlung der Identität durch einen chronischen Mitteilungsdrang und die Unfähigkeit, allein zu sein.
An der Missouri University of Science and Technology behaupten Wissenschaftler gar, ein extrem hoher E-Mail-Verkehr und ausgiebiges Internetsurfen deuteten auf eine depressive Gemütsverfassung hin. Paradoxerweise machen ihre Thearpievorschläge Geräte wie das Smartphone aber noch unentbehrlicher: Die Wissenschaftler wollen eine Software entwickeln, die bei exzessiver Online-Kommunikation Alarm schlägt – und sogar einen Besuch beim Therapeuten nahelegt.












