Elfen – Faszination Fantasy in Second Life

Elfen üben seit jeher eine ganz eigene Faszination auf uns Menschen aus. In der Mythologie werden sie gleichsam als Lichtgestalten mit engelsgleichen Eigenschaften beschrieben.

Mit der Verfilmung der Herr-der-Ringe-Trilogie durch den Regisseur Peter Jackson erlebte die mediale Inszenierung der Elfen einen Höhepunkt. Nicht nur dort werden sie als Gestalten von grosser Schönheit, Weisheit, aber auch Leichtigkeit und Heiterkeit dargestellt. Laut Mythologie gibt es allerdings verschiedene Arten von Elfen. So wie es verschiedene Arten von Menschen, Zwergen, Feen und Riesen gibt.

In Second Life gibt es zahlreiche Sims, auf denen man und frau dem Elfe sein frönen kann. Sie zählen mit zu den beliebtesten Sims, weil sie häufig sehr originell und detailreich gestaltet sind. Meistens findet man sie, wenn man nach Stichworten wie Fantasy sucht. Ausserdem lassen sich Elfen-Avatare besonders fantasie- und variantenreich gestalten.

Elfen können aber durchaus auch ihre dunklen Seiten haben. Das zeigen in Second Life die vielen Sims, in denen Elfen nicht ausschliesslich als Kämpfer und Kämpferinnen für die gerechte Sache unterwegs sind, sondern sich oftmals auch enthusiastisch dem Dark Urban Role Play widmen.

Das viktorianische Zeitalter – echte Schreckensgestalten und falsche Sittsamkeit

Frauen in eng geschnürten Miedern, Männer mit hohen Zylindern und ein von steifen Konventionen, schnellem technischen Fortschritt und großen sozialen Unterschieden geprägtes Alltagsleben. Aktuelle Filme wie Guy Richties Sherlock Holmes, Martin Scorseses Hugo und in Teilen auch David Cronenbergs Die dunkle Begierde lassen das viktorianische Zeitalter wieder lebendig werden. Als viktorianische Ära wird der Zeitabschnitt der Herrschaft der englischen Königin Viktoria bezeichnet, die von 1837 bis 1901 dauerte.

Insbesondere im nationalen Bewusstsein der Engländer ist diese Epoche als ein goldenes Zeitalter verankert, dessen Niedergang im 20. Jahrhundert einsetzte. Die Wirtschaft florierte und England errang einen technischen Fortschritt, den es lange beibehielt. Vom Wohlstand profitierte aber nur rund ein Drittel der Gesellschaft. Soziale Verelendung, Hunger und Kinderarbeit war die Realität der Mehrheit der Gesellschaft.

Gerade diese großen Gegensätze, die auch in der Literatur des 19. Jahrhunderts in den Romanen von Charles Dickens, Sir Arthur Conan Doyle, Oscar Wilde, der Brontë-Schwestern oder Elizabeth Gaskell ihren Widerhall fanden, machen diese Zeit so faszinierend. Mit Theatern, Literatur, Kunst, Musik und Oper entwickelte sich eine große Unterhaltungsindustrie. Gerade für die besseren Kreise gab es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu vergnügen. In London beispielsweise amüsierten sich nachts rund um den Picadilly Circus die jungen Männer: Man frönte dem illegalen Glücksspiel in den Casinos, besuchte leicht anrüchige Tanz- und Musikveranstaltungen oder auch die zahlreichen Bordelle. Beliebt war auch alles Geisterhafte. Seancen, bei denen ein Medium Kontakt zu Geistern suchte, war ein häufiges Freizeitvergnügen.

Schreckensgestalten wie der erste bekannte Serienmörder Jack the Ripper, die Kunstfigur Frankenstein oder der Vampirgraf Dracula verursachten den Menschen ein wohliges Schauergefühl. Neben Liebesromanen gehörten Horrorgeschichten, so genannte gothic novels, zu den ersten literarischen Bestsellern. Das Lesen setzte sich zunehmend als Freizeitbeschäftigung in sämtlichen Schichten durch. Gepaart mit dem immer noch stark ausgeprägten Geister- und Aberglauben weiter Teile der Unterschicht fanden Horrorgeschichten ein immer größeres Publikum. Denn in diesen fiktiven Schreckensszenarien konnten die Leser ihren Ängsten freien Lauf lassen und sie kanalisieren. Es verwundert deshalb kaum, dass reale Mordserien, wie die von Jack die Ripper 1888, nicht nur in England auf großes öffentliches Interesse stieß. Der wohlige Schauer beim Publikum wurde dadurch erhöht, dass der Täter nie gefasst wurde und damit Spekulationen Tür und Tor geöffnet blieben.

In Second Life hat man in dem großartigen Dark Urban Role Play Isle of Legacies Gefallen daran gefunden, mit diesen Spekulationen um Jack the Ripper immer wieder neue spannende Rollenspiel-Geschichten zu entwickeln. Legacies spielt im London des 19. Jahrhunderts, genauer 1891, also kurz nach der tatsächlichen Mordserie Jack the Rippers um 1888. Und dieses London sieht genau so aus, wie man es sich für schaurige Horrorgeschichten wünscht: Nass, neblig, dunkel und sehr geheimnisvoll.
Die Betreiber von Isle of Legacies selbst schreiben auf ihrer Webseite: “An era where the accurate and true time period was a constant ambiance and feel of the unknown. The dark wet chilling nature of old London saturates this universe. Time period of poverty, illness, crude medicine, steam machines and scratching for just about everything is relived and exists here in Legacies (…). Legacies is a place where players can open their minds, expand their creativity, build great characters and write kick ass stories… We’re a bunch of RP’rs who believe that a game can truly be a Full Immersion Experience. We insure this by providing the Player with a high quality, aesthetically captivating, reality suspending, thematically consistent, Full Immersion Role Play experience. Add to that a plug and play system that takes the technical work out of game play while freeing your character to learn and grow n the most organic fashion possible. Finished off by an interesting and mysterious back story in which the player can insert their own creativity through TRUE open-ended player based storytelling.”
Auch mein Avatar Agleia und der meiner Freundin Greta sind der Faszination der Geschichten in Isle of Legacies erlegen und mittlerweile regelmäßige Besucher in diesem London Jack the Rippers.


Die Zukunft ist bereits vergangen – Steampunk in Second Life

Was ist eigentlich Steampunk? Und welche Rolle spielt dieses Phänomen in Second Life? Diesen Retrofuturismus und seinen Erfindergeist des 19. Jahrunderts feiert der US-amerikanische Regisseur Martin Scorsese in seinem ersten 3-D-FilmHugo”. Was, wenn es bereits zu Zeiten Queen Victorias Computer und Handy gegeben hätte? Was, wenn es keine Elektrizität gäbe, sondern die Welt weiterhin von Dampfmaschinen bestimmt würde? Was, wenn anstelle von Jumbojets riesige Zeppeline die Luftfahrt prägten? Solche “Was-wäre-wenn-Fragen” zu stellen und mögliche alternative Zeitentwicklungen zu illustrieren, das ist Steampunk.

Steampunk bedient sich insbesondere den Kulissen des viktorianischen Zeitalters und dessen literarischer Stoffe wie die Sherlock-Holmes-Geschichten oder die Romane von Jules Verne und H. G. WellsSteampunk begann als Kunstgenre in den 1980er Jahren. Lange Zeit war der Stilmix von Sciencefiction, Fantasy und viktorianischem Wiedergängerhorror eine Strömung innerhalb von Subkulturen. Seit ein paar Jahren weitet sich das Genre aber zu einem Lebensgefühl mit ganz eigener Ästhetik aus. Das 19. Jahrhundert ist für die Steampunks eine vergangene Sehnsuchtswelt, ein Trödelladen, aus dem sie sich bedienen, um in Do-it-yourself-Manier Alltagsgegenstände der Massenkultur wieder in Unikate zu verwandeln: Mit Materialien wie Messing, Mahagoni und Leder verwandeln sie das Aussehen von Hightechgeräte wie Laptops und iPhones, so dass man sich diese gut in der Wohnung eines Sherlock Holmes vorstellen könnte.

In diese viktorianische Welt, die als literarische Figur auch Jack the Ripper hervor gebracht hat, kann man in Second Life zur Zeit bei dem Rollenspiel Isle of Legacies eintauchen. Freier wird das viktorianische Zeitalter auf der Sim Crossroads, die sich als Szenerie das Jahr 1871 in einer kleine Stadt Europas (Rumänien) ausgesucht hat, interpretiert: Dort herrscht zwar auch der viktorianische Kleidercode vor, allerdings verbergen sich hinter den Gestalten nicht nur Menschen, sondern auch Vampire, Feen, Elfen, (gefallene) Engel und Dämonen.

In Second Life sind verschiedene Varianten des Steampunk anzutreffen, die unterschiedliche Elemente einbringen, weglassen oder neu variieren. Zahlreiche Treffer landet man beispielsweise auf dem SL-Marketplace. Schuhe, Kleidung und Einrichtungsgegenstände, die unter diesem Stichwort auftauchen, mischen häufig Elemente des viktorianischen Zeitalters mit Gothic-, Punk- und Vampir-Elementen. Der Begriff Steampunk selbst zeugt ebenfalls von einer solchen Mischung der Elemente: Der erste Wortteil bezieht sich auf die Dampfmaschine (englisch: steam engine), der zweite Wortteil punk kann als Anspielung auf Cyperpunk verstanden werden.

Die Rollenspiele in Second Life, die mit Steampunk in Verbindung gebracht werden können, verbreiten häufig apokalyptische Endzeitstimmung. Nach Menschheitskatastrophen (Atomunfälle, 3. Weltkrieg etc.) herrscht Anarchie und Kampf zwischen Menschen, Mutanten (Cyberborgs), Vampiren, Dämonen etc. Nur zwei Regeln haben wirklich Gültigkeit: Überleben ist alles und der Stärkere setzt sich durch. Toxian City und The City of Lost Angels sind gegenwärtig sicher mit die besten Schauplätze dieser Dark (Urban) Role Plays. Ein Besuch der Sims lohnt sich auf jeden Fall, da sie sehr gut designt sind und eine auch wirklich aktive Rollenspieler-Community besitzen. Allerdings sind alle erwähnten Rollenspiele englischsprachig. Nicht nur Steampunk allgemein, sondern auch die Dark (Urban) Role Plays scheinen im deutschsprachigen Raum noch nicht eine ganz so grosse Fangemeinde zu haben wie andernorts.

Welches sind eurer Meinung nach Gründe für die Faszination am retrofuturistischen Steampunk? Gebt eure Kommentare ab.