Die Kosten für das Kostenlose – Gratis-Apps sammeln Daten der Benutzer

Gratis-Apps sind zwar ohne Geld zu haben, kostenlos für die Smartphone-Besitzer sind sie aber nicht:  Die Benutzer müssen im Tausch dafür oft Daten von sich preisgeben. Denn solche Apps finanzieren sich oft nicht nur über die Werbung, sondern vor allem über das Sammeln der Daten.

Die Nutzer holen sich mit Programmen und Spielen Ad- oder Tracking-Module auf ihre Telefone. Solche Module leiten an die App-Entwickler Infos über die Verwendung ihrer Programme weiter. Die gesammelten Daten landen aber auch bei Werbeanbietern. Gerade die kleinen, besonders simpel erscheinenden Apps sind wahre Datenschnüffler. Gespeichert werden Telefnonummern, der Netzanbieter, der Name des Geräts etc. Manche übertragen sogar den Aufenthaltsort des Nutzers.

Dagegen vorgehen können die Nutzer bisher kaum. Die Apps kündigen zwar bei der Installation an, auf welche Daten sie zurückgreifen werden. Wenn der Nutzer damit aber nicht einverstanden ist, bleibt ihm nur, die Apps nicht zu installieren.

Schutz vor Datensammlern

Mit der Anonymität im Netz kann es schnell vorbei sein: Wer im Internet sucht, chattet, einkauft, hinterlässt eine Datenspur. Zum Problem werden diese Unmengen von Daten vor allem für Nutzer, die bei verschiedenen Diensten ein Konto haben. Professionelle Datensammler können aus den Datenspuren immer ein Profil erstellen. Wenn der Nutzer auf irgendeiner Seite eine Mail-Adresse hinterlässt, ist es nicht mehr allzu schwer, auch die reale Person dahinter zu identifizieren.

Die EU will die Rechte von Online-Surfern und deren persönliche Daten besser schützen. Seitenbetreiber sollen zukünftig unter anderem explizit die Zustimmung der Nutzer einholen müssen, wenn sie deren Daten verwenden wollen.

Es gibt aber für Internet-Nutzer bereits jetzt einige Tricks, mit denen sie der Datensammelei zumindest etwas Einhalt gebieten können. Viele Informationen sendet unter anderem der Browser. Webseiten können die Chronik auslesen und so erkennen, welche Seiten vom Nutzer bereits besucht worden sind. Wer das unterbinden möchte, muss regelmäßig die Liste der besuchten Seiten löschen und deshalb die Adressen immer mal wieder von Hand eintippen.

Die Deaktivierung von Cookies führt ebenfalls dazu, etwas weniger Datenspuren zu hinterlassen. Allerdings funktionieren viele Webseiten dann gar nicht mehr. Es gilt also immer wieder aufs Neue abzuwägen, was schwerer wiegt: Der Schutz der Privatsphäre oder die Bequemlichkeit beim Internet-Surfen. Das gilt auch für die Anmeldung bei sozialen Netzwerken und Webdiensten. Weil es vielen lästig ist, ständig Name und Passwort neu einzugeben, bleiben sie dauerhaft eingeloggt. Das ist praktisch, macht es den Datensammlern aber besonders leicht, weil Surfprofile mit persönlichen Informationen wie dem echten Namen und der echten Adresse verknüpft werden können. Gerade Profile mit persönlichen Daten sind bares Geld wert. Und als Nutzer hat man keine Kontrolle darüber, wer die Daten speichert und an wen er sie weitergibt.

Wer wissen will, was der Suchmaschinen-Betreiber Google über ihn weiß, kann auf die Seite www.google.com/dashboard gehen. Dort sehen die Eigentümer eines Google-Kontos im Überblick, in welchem Dienst welche Informationen über sie gespeichert sind. Google betont zwar immer wieder, dass man keine Nutzer-Daten nach außen verkaufe. Allerdings gibt selbst die Datenschutz-Chefin bei Google, Alma Whitten, zu: “Wenn ein Nutzer bei Google angemeldet ist, können wir Informationen, die Sie bei einem Dienst gemacht haben, mit Informationen aus anderen Diensten kombinieren.” Man wird also über alle Google-Dienste hinweg als ein Nutzer behandelt. Ein Nutzer kann das nur umgehen, wenn er gar nicht erst bei Google angemeldet ist.

Weiß Facebook mehr über mich als meine Familie?

Der Vorwurf, virtuelle soziale Netzwerke wie Facebook würden Nutzerdaten nicht nur an andere Unternehmen, sondern auch an Regierungen verkaufen, steht schon lange im Raum. Ein Kollektiv von Nutzern mit dem Namen Anonymous hat es zu seiner Mission gemacht, andere davor zu schützen. „Wir haben das Recht, nicht überwacht und nicht für Profit verwendet zu werden“ und „Wir werden Sie schützen“, lauten die Botschaften des Hackerkollektivs.

Immer wieder versucht Anonymous, Webseiten lahmzulegen, indem sie diese so lange mit so vielen Anfragen bestürmen, bis diese abstürzen. Ziel dieser Attacken waren schon Scientology, der reaktionäre Nachrichtensender Fox News oder auch die Webseiten von Visa und Mastercard, nachdem diese ihre Dienste für die Plattform Wikileaks eingestellt hatten. Und nun ist Facebook in den Fokus der Bewegung gerückt. „Facebook weiß mehr über dich, als deine Familie“, begründet die Gruppe ihr Vorgehen.

Anonymous selbst sind institutionalisierte, hierarchische Strukturen zuwider: Die Gruppe hat keine Führung, es gibt nicht mal offizielle Mitglieder. Jeder, der sich der Sache verpflichtet fühlt, kann Aufrufe im Namen und im Sinne von Anonymous ins Internet stellen. Viele agieren allein, in kleinen Zirkeln auf Zeit oder in zahlreichen Splittergruppen frei im Raum. Was sie eint, ist die Abneigung gegen technokratische Systeme , die sich selbst genug sind.

Ist der Ruf erst ruiniert…

Heute kann es sich kaum noch jemand leisten, sich nicht damit auseinanderzusetzen, welche Informationen im Netz über ihn verfügbar sind oder nicht. „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ – das ist auch in Zeiten des Web 2.0 eine kaum empfehlenswerte Haltung.

Verweigerung ist zwar auch eine Haltung, aber eine riskante: Wenn man sich nicht selbst um seine Reputation im Netz kümmert, übernehmen das andere. Und das ist meist nicht zum Vorteil der Betroffenen. Mittlerweile gehört es zur Routine von Personalchefs, Bewerberinnen und Bewerber zu googlen. Wenn diese im Netz keinen guten Eindruck hinterlassen, kann das zur Karrierefalle werden.

So genannte Karriereberater raten zu einem offensiven Umgang mit der eigenen Präsenz im Netz. Nicht tatenlos zusehen, was mit dem eigenen Namen geschieht, sondern den Online-Ruf aktiv beeinflussen, indem man selbst die Informationen zur Verfügung stellt. So könne der virtuelle Gesamteindruck am besten selbst gesteuert werden.

Allerdings sollte man und frau gut bedenken, welche Informationen wann und wem zur Verfügung gestellt werden: Ein allzu freizügiges Partyfoto oder ein schlechter Witz zur falschen Zeit an der falschen Stelle und die Online-Reputation ist schnell ramponiert. Viele spezielle Agenturen leben mittlerweile davon, die beschädigte Online-Reputation von ihren Kundinnen und Kunden gegen Entgelt zu reparieren. Oder man setzt auf den Aktualitäts- und Verdrängungswettbewerb. Die wichtigste Suchmaschine Google benutzt seit Neuestem einen anderen Algorithmus. Aktualität erhält damit noch mehr Priorität und die Strategie, auf die Faulheit der Suchenden zu setzen, geht damit wohl eher auf: Das Internet vergisst zwar nichts, aber die ersten zehn Treffer sind die wichtigsten: Das Netz ist lang/ Und kurz ist unser Leben.

Facebook wird erwachsen

Das Internetunternehmen Facebook steht kurz vor einer Zäsur: Die öffentlichen Debatten um den Umgang der Betreiber des sozialen Netzwerks mit den privaten Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer hat Folgen. Die USA werden das Unternehmen wohl unter eine strengere Aufsicht nehmen. Facebook wird in Zukunft jede Veränderung seiner Dienste, die die Privatssphäre betreffen, einer Prüfkommission vorlegen und die aktive Zustimmung der Nutzer einholen müssen.

Einerseits ist das nur konsequent. Warum sollen für ein Unternehmen, nur weil es ausschliesslich im virtuellen Raum agiert, andere beziehungsweise keine gesetzlichen Regelungen in Bezug auf den privaten Datenschutz bestehen. Andererseits ist es schade. Viele Menschen waren der Hoffnung und Ansicht, das Internet sei ein Handlungsraum, in dem sich Angelegenheiten ohne den Staat regeln liessen.

Genau an diesen Staat haben sich nun aber Internetnutzer gewandt, weil Kritik am Umgang mit privaten Daten an Facebook einfach abprallte. Dem Konzern ist es nicht gelungen, die eigenen unternehmerischen Interessen in Einklang mit denen aller seiner Mitglieder zu bringen. Und das ist wiederum nur logisch: Facebook ist zuerst ein Dienstleistungskonzern mit eigenen ökonomischen Interessen und eigenem unternehmerischem Gebaren. Solche Dienstleistungen gewinnorientiert zu erbringen und es gleichzeitig allen rund 800 Millionen Mitgliedern recht zu machen, ist eine Quadratur des Kreises. Deshalb wird nun Recht gesprochen durch den Staat.