Second Life gegen IMVU

Ich bin nicht treu! Ich gebe zu, ich habe nicht nur einen Account bei Second Life, sondern mich auch schon in diversen anderen virtuellen Zweitwelten umgesehen. IMVU ist meiner Meinung nach einer der stärksten Konkurrenten von Second Life.  Second Life und IMVU sind zwei der beliebtesten virtuellen Zweitwelten. In beiden haben die Menschen Gelegenheit, zu chatten, neue Leute zu treffen und aufregend aussehende Avatare und Umgebungen zu erschaffen. Es gibt aber auch Unterschiede.

IMVU gleicht eher einer Chat-Gemeinde mit 3D-Avataren denn einer großen, zusammenhängenden virtuellen Welt. Aber auch hier kann man seinen Avatar phantasiereich gestalten und 3D-Umgebungen zum Leben erwecken. Wie in Second Life gibt es auch bei IMVU eine spezielle Währung, mit der man bezahlt. Das Kreieren und Verkaufen virtueller Gegenstände spielt für viele Nutzer von IMVU eine wichtige Rolle. Jeder IMVU-Nutzer hat eine eigene Homepage, die er/sie nach seinem/ihrem Gusto gestalten kann. Die IMVU-Welt ist ein soziales Netzwerk, das aus vielen Gruppen besteht und von so genannten “Neighbourhoods” geprägt ist (z. B. Fantasy, Goth, Vampire, Sci-Fi). Dort können sich Leute mit ähnlichen Interessen treffen. Laut Angaben der Betreiber hat IMVU gegenwärtig rund 100 Millionen Mitglieder. Rund um die Uhr sind circa 100 000 Mitglieder gleichzeitig eingeloggt.

In der virtuellen Welt Second Life interagieren Personen durch ihre Avatare miteinander, können die unterschiedlichsten Aktivitäten unternehmen und ungezählte Sims (virtuelle Landschaften) erkunden. Wie bei IMVU kann man auch in Second Life Objekte kreieren und gegebenenfalls verkaufen. Auch Second Life ist geprägt von verschiedenen Subkulturen und Communities (Steampunk, Neko, Mittelalter, Fantasy etc.). Second Life hat rund 28 Millionen registrierte Accounts weltweit. Gleichzeitig in Second Life unterwegs sind je nach Tageszeit 40 000 bis 60 000 Mitglieder.

In welcher der beiden virtuellen Zweitwelten lebt es sich eurer Meinung nach besser und warum? Gebt eure Kommentare ab und macht bei der Umfrage mit.

Die Zukunft ist bereits vergangen – Steampunk in Second Life

Was ist eigentlich Steampunk? Und welche Rolle spielt dieses Phänomen in Second Life? Diesen Retrofuturismus und seinen Erfindergeist des 19. Jahrunderts feiert der US-amerikanische Regisseur Martin Scorsese in seinem ersten 3-D-FilmHugo”. Was, wenn es bereits zu Zeiten Queen Victorias Computer und Handy gegeben hätte? Was, wenn es keine Elektrizität gäbe, sondern die Welt weiterhin von Dampfmaschinen bestimmt würde? Was, wenn anstelle von Jumbojets riesige Zeppeline die Luftfahrt prägten? Solche “Was-wäre-wenn-Fragen” zu stellen und mögliche alternative Zeitentwicklungen zu illustrieren, das ist Steampunk.

Steampunk bedient sich insbesondere den Kulissen des viktorianischen Zeitalters und dessen literarischer Stoffe wie die Sherlock-Holmes-Geschichten oder die Romane von Jules Verne und H. G. WellsSteampunk begann als Kunstgenre in den 1980er Jahren. Lange Zeit war der Stilmix von Sciencefiction, Fantasy und viktorianischem Wiedergängerhorror eine Strömung innerhalb von Subkulturen. Seit ein paar Jahren weitet sich das Genre aber zu einem Lebensgefühl mit ganz eigener Ästhetik aus. Das 19. Jahrhundert ist für die Steampunks eine vergangene Sehnsuchtswelt, ein Trödelladen, aus dem sie sich bedienen, um in Do-it-yourself-Manier Alltagsgegenstände der Massenkultur wieder in Unikate zu verwandeln: Mit Materialien wie Messing, Mahagoni und Leder verwandeln sie das Aussehen von Hightechgeräte wie Laptops und iPhones, so dass man sich diese gut in der Wohnung eines Sherlock Holmes vorstellen könnte.

In diese viktorianische Welt, die als literarische Figur auch Jack the Ripper hervor gebracht hat, kann man in Second Life zur Zeit bei dem Rollenspiel Isle of Legacies eintauchen. Freier wird das viktorianische Zeitalter auf der Sim Crossroads, die sich als Szenerie das Jahr 1871 in einer kleine Stadt Europas (Rumänien) ausgesucht hat, interpretiert: Dort herrscht zwar auch der viktorianische Kleidercode vor, allerdings verbergen sich hinter den Gestalten nicht nur Menschen, sondern auch Vampire, Feen, Elfen, (gefallene) Engel und Dämonen.

In Second Life sind verschiedene Varianten des Steampunk anzutreffen, die unterschiedliche Elemente einbringen, weglassen oder neu variieren. Zahlreiche Treffer landet man beispielsweise auf dem SL-Marketplace. Schuhe, Kleidung und Einrichtungsgegenstände, die unter diesem Stichwort auftauchen, mischen häufig Elemente des viktorianischen Zeitalters mit Gothic-, Punk- und Vampir-Elementen. Der Begriff Steampunk selbst zeugt ebenfalls von einer solchen Mischung der Elemente: Der erste Wortteil bezieht sich auf die Dampfmaschine (englisch: steam engine), der zweite Wortteil punk kann als Anspielung auf Cyperpunk verstanden werden.

Die Rollenspiele in Second Life, die mit Steampunk in Verbindung gebracht werden können, verbreiten häufig apokalyptische Endzeitstimmung. Nach Menschheitskatastrophen (Atomunfälle, 3. Weltkrieg etc.) herrscht Anarchie und Kampf zwischen Menschen, Mutanten (Cyberborgs), Vampiren, Dämonen etc. Nur zwei Regeln haben wirklich Gültigkeit: Überleben ist alles und der Stärkere setzt sich durch. Toxian City und The City of Lost Angels sind gegenwärtig sicher mit die besten Schauplätze dieser Dark (Urban) Role Plays. Ein Besuch der Sims lohnt sich auf jeden Fall, da sie sehr gut designt sind und eine auch wirklich aktive Rollenspieler-Community besitzen. Allerdings sind alle erwähnten Rollenspiele englischsprachig. Nicht nur Steampunk allgemein, sondern auch die Dark (Urban) Role Plays scheinen im deutschsprachigen Raum noch nicht eine ganz so grosse Fangemeinde zu haben wie andernorts.

Welches sind eurer Meinung nach Gründe für die Faszination am retrofuturistischen Steampunk? Gebt eure Kommentare ab.


Spiel im Spiel – Rollenspiele in Second Life

Für viele ist Second Life an sich ein großes Rollenspiel: Avatare, die vor dem Hintergrund bunter 3D-Landschaften in unterschiedlichster Weise miteinander interagieren. Ein Teil der Second Life Residents ist deshalb an Rollenspielen in der Manier von World of Warcraft gar nicht oder nur wenig interessiert. Ein anderer Teil der User dagegen hält sich in Second Life ausschliesslich oder vornehmlich auf Sims mit Rollenspielen auf.

Gibt man in seine SL-Suchleiste das Stichwort Rollenspiel beispielsweise in Kombination mit Vampire ein, erhält man zahlreiche Treffer. Vampir-Rollenspiele zählen zu den beliebtesten in Second Life. Nicht zufällig öffnet die SL-Marketplace-Seite gegenwärtig mit einem Fenster namens Become a Vampire. Auch meine SL-erfahrene Freundin Greta ist der Faszination des Dunklen erlegen und eine begeisterte Vampir-Queen, die gerne im Gothic-Style auftritt. Allerdings war sie immer auch schon ein grosser Fan der Herr der Ringe-Trilogie und spielt auf einer Fantasy-Sim eine kämpferische Elfe (s. Foto rechts). Und seit neuestem ist sie Teil eines spannenden Rollenspiels, das zur Zeit Jack the Rippers im viktorianischen London angesiedelt ist. “Na klar, auch wegen der tollen Kostüme”, bestätigt mir Greta lachend und zeigt sich in einem ihrer tollen Outifts (s. Foto links).

Die Möglichkeiten des Rollenspiels in Second Life sind nicht unbegrenzt, aber zahlreich. Je nach (historischer) Zeit und Handlungssträngen der Rollenspiele, haben sich verschiedene Communities in Second Life gebildet. Auf der offiziellen Second Life-Homepage sind Communities wie Goth, Gor, Fantasy, Vampire, Furry oder Steampunk abrufbar (was sich dahinter jeweils genau verbirgt, dazu an anderer Stelle mehr). Immer wieder beliebt sind auch Rollenspiele, die auf bestimmte Buchvorlagen zurückgreifen. Wizard’s Alley ist beispielsweise inspiriert von der Harry Potter-Reihe, Tombstone erinnert an den Outlaw Wyatt Earp und die zahlreichen Gor-Communities basieren mal mehr mal weniger stark auf dem Gor-Zyklus des US-amerikanischen Schriftstellers John Norman.

Mein Avi Agleia konnte sich dieser Faszination natürlich auch nicht lange entziehen und hat sich wie ihr Role Model Greta gerne mal ein Elfenkostüm übergestreift (s. Foto rechts). Worum es sich bei  Steampunk handelt, weiss sie zwar immer noch nicht so genau, die Sims unter diesem Thema faszinieren sie aber, weil sie meisten besonders gut designt sind. Und natürlich versucht sie sich äusserlich der Kulisse anzupassen (s. Foto links unten).

Von welchen Settings, Zeiträume und Handlungssträngen die einzelnen Rollenspiele tatsächlich bestimmt werden, findet man meist erst bei einem Besuch der jeweiligen Sim heraus. Die meisten Rollenspiel-Communities bieten so genannte Oberserver Tags an, mit denen man als unbeteiligter Beobachter durch die mehr oder weniger gelungenen Kulissen streifen kann. Wenn man Glück hat, wird man bei einem einem solchen Besuch tatsächlich Zeuge eines spannenden Plots der aktiven Mitglieder. Oft genug hat man aber Pech und landet in gähnend leeren Landschaften, wo nur ganz vereinzelt grüne Punkte auf dem Radar aufleuchten. Das Rollenspiel scheint auch anstrengend zu sein. Viele Betreiber von Rollenspiel-Sims weisen in ihren Regelwerken ausführlich darauf hin, dass Mitglieder In Character (IC) zu bleiben haben. Gespräche, die beispielsweise in Wortwahl und Stil nicht der nachempfundenen Zeit entsprechen (oft angemahnt: ‘Don’t LOL’), haben in extra Chat-Gruppen namens OOC (also Out Of Character) stattzufinden.

Nichtsdestotrotz hat man als Besucher oft den Eindruck, dass wie auf anderen Sims auch, die sozialen Treffpunkte wie Bars, Clubs und Cafés in erster Linie zum üblichen Small-Talk genutzt werden. Da unterhält sich die eng geschnürte viktorianische Lady mit dem Zylinder tragenden Gentleman über das kaputte Mountainbike ihres Sohnes und die Schwierigkeiten bei der Installation eines neuen Computerprogramms. Und das ist vielleicht auch nur verständlich: In Character zu sein ist zwar überaus spannend, aber auch sehr anstrengend.