Machen Online-Spiele hirntot – oder die Frage “Muss ich meiner Ex-Frau in Second Life Unterhalt bezahlen?”

Die Trennung zwischen realem Leben und virtuellem Zweitleben ist mittlerweile nicht mehr so einfach. Die einen geben in ihren Avatar-Profilen in Second Life an, dass sie reales und virtuelles Leben strikt trennen. Ein beliebter Spruch in den Profilen vieler Avatare lautet: “SL is SL and RL is RL.” Oft halten sie sich aber nicht wirklich daran, da sie in Gesprächen und Interaktionen doch viele Dinge preisgeben – bewusst oder unbewusst – durch die man Rückschlüsse auch auf ihr reales Leben ziehen kann. Anderen ist klar, dass die Avatare von Menschen gesteuert werden und deshalb zunehmend eine Auflösung der Grenzen zwischen realem Leben und Second-Life-Charakteren stattfindet. Während die einen davon sprechen, Second Life zu spielen, weisen andere das weit von sich. Für sie ist Second Life kein Spiel, sondern eine phantasiereichere 3D-Fortführung von virtuellen sozialen Netzwerken und Kommunikationsplattformen wie Facebook, Twitter, Xing etc.

Wie schnell und kurios sich reales und virtuelles Zweitleben vermengen und SL-Probleme zu RL-Problemen und umgekehrt werden, zeigt eine verzweifelt klingende Frage eines Second-Life-Nutzers in der Ratgeber-Community gutefrage.net: “Ich spiele gerne Second Life und habe mir einen tollen Avatar gebaut und nun will meine Ex in Second Life ganz viele Linden-Dollars von mir haben. Kann ich das Ignorieren oder muss ich damit rechnen, das mein Account gesperrt wird, weil ich keinen Unterhalt bezahlen will? Ich habe bisher schon 100 € an meine SL-Ex überwiesen. Die gibt aber keine Ruhe. Was kann ich nur machen? Oder kennt jemand einen guten Anwalt in Second Life? Danke für eine Antwort.”

Die Antworten auf die Frage des Nutzers fielen sehr unterschiedlich aus: “Online-Games machen hirntot”, war die erste charmante Antwort. Andere wussten nicht so genau, ob sie mit dieser Frage hinters Licht geführt werden sollten. “Das ist ein Scherz oder? Da hat dich deine “Ex” wohl ganz schön verarscht. Warum solltest du in einem Spiel Unterhalt zahlen müssen? Nein, garantiert nicht”, war die Antwort eines Nutzers. Andere (Männer) solidarisierten sich mit dem empörten Fragesteller und gaben weise Ratschläge wie “Alter, zahl der keinen Cent! Brief an den Support über die Situation und IHR Account wird gesperrt. Das ist Erpressung und Abzocke! Lass dich nicht verarschen, Junge!”

Ich bin dafür, das Bürgerliche Gesetzbuch den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen und Fragen zu Unterhalt und Sorgerecht für SL-Kinder und SL-Haustiere etc. in Form von Düsseldorfer Tabellen etc. klar zu regeln. Noch besser ist es, vor dem Schritt vor den Traualtar alles in einem SL-Ehevertrag zu regeln. Anwaltlicher Beistand in solchen Fragen ist natürlich unerlässlich. Also, meine Damen und Herren Juristen, auf ins Second Life und eine schicke Anwaltskanzlei eröffnet.